Interview zu offenen Standards in der Teleradiologie

"Alles andere führt in die Sackgasse"

Vorsitzender der AGITProf. Dr. Elmar Kotter Vorsitzender der AGITDer Vorstand der DRG hat auf seiner vergangenen Sitzung (September 2013) ein von der AGIT (Arbeitsgemeinschaft Informationstechnologie der DRG) in Zusammenarbeit mit der IHE-D (Integration the Healtcare Enterprise Deutschland) erarbeitetes Positionspapier verabschiedet, das offene technische Standards für telemedizinische und teleradiologische Anwendungen empfiehlt. Prof. Dr. Elmar Kotter, Leiter der AGIT, über den Nutzen offener Standards.

Warum sind aus Ihrer Sicht offene Standards in der Telemedizin so wichtig?

Nur offene Standards gewährleisten die Interoperabilität zwischen den verschiedenen IT-Systemen, sowohl in Kliniken und Praxen als auch zwischen diesen. Auch die Politik fordert aus ökonomischen Gründen die bessere Vernetzung im Gesundheitswesen und forciert Telemedizin. Wenn man sich jetzt vorstellt, dass jede Gruppierung ihr proprietäres System aufstellt und diese Systeme sich untereinander nicht austauschen können, dann ist das nicht zielführend. Ein Blick in die Geschichte zeigt die Bedeutung offener Standards. Erst der in den 90-Jahren entwickelte DICOM-Standard ermöglichte es, die Bilder herstellerunabhängig, egal welcher Provenienz,  am Monitor zu beurteilen.

Was kann man tun, damit Ihre Empfehlung auch Umsetzung findet?

Es sind offene Standards, die naturgemäß keinen zur Nutzung zwingen. Wir können diese Standards publik machen, für sie werben und mit dem veröffentlichten Positionspapier als Gesellschaft unterstützen. Und wir können immer wieder darauf hinweisen, dass sich die offenen Systeme durchsetzen werden, denn alles andere führt in die Sackgasse.

Welche Perspektiven sehen Sie in der teleradiologischen Vernetzung?

Wir nutzen längst noch nicht alle Vorteile der Teleradiologie. Was wir noch gar nicht machen, ist das standardmäßige Einholen einer Second  Opinion. Das hat mit Vergütungsproblemen zu tun, auch mit eingefahrenen Mechanismen in der Radiologie,  aber wir brauchen ein solches Zweitmeinungssystem. Kleinere und mittelgroße Häuser können es sich nicht leisten, jede Subspezialität der Radiologie auf höchstem Niveau vorzuhalten. Hier kann die Teleradiologie helfen, zukünftig den Spagat zwischen der notwendigen Einheit der Radiologie als Fach und den zunehmenden Anforderungen an die Subspezialisierung zu bewältigen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit. Hier können einmal ad hoc studienbezogen Bilddaten ausgetauscht werden, es können aber auch in einem längerfristig bestehenden Verbund Studiendaten ausgetauscht werden.